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Wer zahlt für die

Musiker und die Musik?

Nach wie vor setzt das Amt des

Kirchenmusikers eine hohe Quali-

fikation voraus: UmKirchenmusik

studieren zu können, reicht das

Abitur allein nicht aus. Jeder Stu-

dienkandidat muss zusätzlich eine

Aufnahmeprüfung bestehen und

dazu bedarf es einer langen musi-

kalischen Vorbildung imKlavier-

und Orgelspiel. Daran schließt sich

ein Studium von mindestens acht

(B-Prüfung/Bachelor) bzw. zwölf

Semestern (A-Prüfung/Master) an.

ImVerhältnis zumAufwand der

Ausbildung ist die Bezahlung der

Kirchenmusiker schon immer be-

scheiden gewesen. Anders als zur

Zeit Buxtehudes, in der die Musi-

ker ihren Lohn mit der Stadt aus-

handelten, gibt es heute in der

Landeskirche ein Tarifsystem,

nach dem alle kirchlichenMitar-

beiter ihrer Berufsgruppe und

Qualifikation entsprechend einer

Entgeltgruppe zugeordnet werden.

Die hauptamtlichen Kirchenmusi-

ker sind Mitarbeitern mit Fach-

hochschulabschluss gleichgestellt,

obwohl tatsächlich ein Hochschul-

abschluss vorliegt. Jahrzehntelan-

ge Bemühungen, die Gehälter die-

ser Qualifikation anzupassen, sind

bislang gescheitert. Kirchenmusi-

ker sind in der Regel Angestellte

einer Kirchengemeinde oder eines

Gemeindeverbands. In der Lübe-

cker Innenstadt zahlen die Ge-

meinden 50% der Gehälter für

3,5 unbefristete Kirchenmusiker-

stellen aus Kirchensteuermitteln,

die anderen 50%werden von der

4-Viertel-Stiftung und aus anderen

Einnahmen der Gemeinden finan-

ziert. Für die Arbeit des Titular­

organisten an St. Jakobi kommt

die Possehl-Stiftung auf.

Deutlich geringer fällt die Beteili-

gung der Gemeinden an der Finan-

zierung von kirchenmusikalischen

Veranstaltungen, wie Konzerten

und Kantaten-Gottesdiensten, aus.

Hier fallen vor allemHonorare für

Gesangssolisten und Orchester-

musiker an. Die Eintrittsgelder bei

Oratorienaufführungen decken

in der Regel maximal 50% der

Kosten. AmAusgleich der Defizite

beteiligen sich in erster Linie

Stiftungen, Förder- und Freundes-

kreise sowie der Kirchenkreis.

Die Mitwirkung in den Chören ist

kostenfrei.

Modelle zur Finanzierung der Kin-

derchorarbeit durchMitgliedsbei-

träge haben sich in Lübeck nicht

durchsetzen können. Auch hier

steht die Hilfe der Vereine zur För-

derung der Kirchenmusik oder der

freiwillige »Kirchtaler« (St. Aegi-

dien) imVordergrund.

Ohne die Unterstützung von Stif-

tungen und Vereinen und ohne das

intensive Bemühen der Kirchen-

musiker, weitere Spenden für ihre

Arbeit einzuwerben, wäre nur

noch eine kirchenmusikalische

Grundversorgung in den Gemein-

den der Lübecker Innenstadt mög-

lich. Auf die großartigen musikali-

schen Akzente, die für die Kultur

in Kirche und Stadt von unschätz-

baremWert sind, müsste man ver-

zichten. Die Tatsache, dass die Kir-

chenmusik immer wieder externe

Unterstützung erhält, ist ein Zei-

chen für die große öffentliche Be-

deutung der »musica sacra« und

sie nährt die Hoffnung, dass es

auch in Zukunft möglich sein wird,

den Umfang und das Niveau dieser

Arbeit zu sichern.

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FINANZIERUNGSMODELL DER KIRCHENMUSIK IN DEN LÜBECKER INNENSTADTGEMEINDEN

Autor: Kirchenmusikdirektor Hans-Martin Petersen