Background Image
Previous Page  43 / 52 Next Page
Information
Show Menu
Previous Page 43 / 52 Next Page
Page Background

Stiften

– Teil einer Geschichte werden

Noch immer ist die Lübecker Alt-

stadt eine der eindrucksvollsten

Stadtlandschaften Deutschlands.

Dass sie es wurde – und nach den

Zerstörungen des ZweitenWelt-

kriegs wieder wurde –, verdankt

die Stadt zum großen Teil privaten

Stifterinnen und Stiftern.

Über Jahrhunderte hinweg haben

sie mit ihrenMitteln und ihrem

Engagement sowohl das Stadtbild

wie auch das soziale und kulturelle

Leben in Lübeck mitgestaltet. Die

Reihe der Förderer beginnt im 13.

Jahrhundert und reicht bis in die

Gegenwart, am augenfälligsten be-

legt durch die zahlreichen Bronze-

schilder »Wiederhergestellt mit

Hilfe von …«.

Zu Lübeck gehören nicht nur die

Bauten, sondern auch ihre Orgeln.

Hochrangige Kirchenmusik ist ein

Teil des Erbes unserer Stadt. Ob in

Gottesdiensten oder Konzerten –

immer wieder wird man von aus-

wärtigen Besuchern auf dieses

»Pfund« der Lübecker Innenstadt-

kirchen neidvoll bewundernd an-

gesprochen. Zu dieser musikali-

schen Tradition gehören auch die

zahlreichen Kinder- und Jugend-

chöre, in denen neben der Freude

amMusizieren auchWerte und

Haltungen des christlichen Glau-

bens vermittelt werden.

Die Hansestädte Hamburg und

Lübeck gelten als die Orte mit den

meisten Stiftungen in Deutsch-

land. Bürgerliches Engagement

hat hier eine Tradition. Bis heute

sind die Motive für diesenMitge-

staltungswillen erstaunlich kons-

tant geblieben. Jede Schenkung ist

ein Bekenntnis zur eigenen Stadt,

die auch in Zeiten früher unbe-

kannter Mobilität eben mehr ist

als nur ein Ort, wo man wohnt und

arbeitet.

Jede Schenkung ist ein Bekenntnis

zu einer kulturellen Tradition, die

aus den Tiefen der Vergangenheit

durch die Gegenwart an die Zu-

kunft weitergegeben werden soll.

So durchbricht das Stiften den

Kreis rein privater Interessen und

fügt den Geber oder die Geberin

ein in jene kulturelle Größe, die

Lübeck heißt. »Stiften« heißt da-

her nicht nur »Geld geben«, son-

dern auch Sinn stiften.

STIFTEN – TEIL EINER GESCHICHTE WERDEN

43

Autor: Pastor Thomas Baltrock