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Musikdarbietungen in der Kirche

(Sacro-Pop usw.).

Ein besonderes Beispiel für das

Wechselspiel zwischen beiden Sei-

ten der Kirchenmusik bietet die

Lübecker Geschichte: die Abend-

musiken zur Zeit Dieterich Buxte-

hudes und seiner Nachfolger bis

ins frühe 19. Jahrhundert. Sie wa-

ren nicht für den Gottesdienst ge-

dacht, sondern wurden konzert-

haft aufgeführt. Es handelte sich

also um künstlerische, überspitzt

ausgedrückt: umweltliche Veran-

staltungen in der Kirche. Aber sie

hatten geistliche Inhalte und soll-

ten der Andacht und Erbauung der

Gemeinde dienen.

Das ist genau unsere heutige Situa-

tion, wenn wir Kirchenkonzerte

besuchen. Die Fragen sind die­

selben. Schon bei den alten Abend-

musiken ging es einerseits um

geistige Argumentationen – ins­

besondere um denWettstreit

theologischer und ästhetischer

Ansprüche – und andererseits um

handfeste Organisationsfragen:

Wie konnte, insbesondere bei groß

besetzten Aufführungen mit Solis-

ten und Orchester, die Finanzie-

rung gesichert werden? Schon

Buxtehude bat seine Mitbürger

1687, »sie mögen vielgünstig darauf

bedacht sein, wie solches löbliche

und manches frommes Herz ergöt-

zende Werk ferner unterhalten

werden könne« .

Damit sind wir wieder in unserer

Gegenwart. Wie eine unendliche

Melodie – oder kirchenmusika-

lisch gesprochen: wie ein

Cantus

firmus

– zieht sich die Bitte um

finanzielle Hilfe durch die Ge-

schichte der Lübecker Kirchen­

musik.

Blick von der großen Orgel in St. Marien

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